Deutschland verschläft Chance

In den letzten Tagen ging es bereits durch einige Medien, doch die breite Aufmerksamkeit bleibt der Geschichte bisher verwehrt – es geht um Hausverlosungen. Während in den USA oder in Östereich einige Hausbesitzer so Ihre Immobilie gewinnbringend an den Mann/die Frau bringen können birgt der deutsche Verwaltungs- und Regulierungsapparat einiges an Konfliktpotenzial mit dem Verlosungswilligen.

Was steckt hinter einer Hausverlosung?

haus Deutschland verschläft ChanceDurch die Immobilienkrise in den USA und die folgende Finanzkrise standen und stehen einst stolze Hausbesitzer vor argen Problemen. Drücken auf der einen Seite die Schulden an die Bank und bricht auf der anderen Seite ein Teil des monatlichen Einkommes aufgrund Arbeitsplatzverlust oder Kurzarbeit weg ist die logische Konsequenz der Verkauf des Eigenheims, normalerweise. Doch dank der schwierigen Vergabebedingungen der Kreditinstitute erweist sich ein Verkauf derzeit schwierig, ist es doch unwahrscheinlich einen Käufer zu finden der entweder den gewünschten Preis aus der “Portokasse” zahlen kann oder sich mit einem der derzeit unlukrativen Darlehen das neue Haus finanziert.
Diese Gegebenheiten und viele andere Faktoren führten zu einem Überangebot an Häusern und damit stark sinkenden Preisen – warum also dann verkaufen wenn der Schuldenberg danach nur geringfügig kleiner ist? Um doch noch einen akzeptablen Erlös zu erlangen kam ein schlauer Mensch auf die Idee sein Haus zu verlosen – ähnlich einer Lotterie. Das Prinzip ist recht einfach, es gilt also den gewünschten Erlös durch einen Marktgerechten Lospreis zu teilen und schon erhält der Mathematikbegabte die Anzahl der zu verkaufenden Lose.

Beispiel:
Gewünschter Erlös: 100.000 €
Lospreis: 100 €
Anzahl Lose: 1000

Da die Idee noch sehr Neu ist vermarkten sich die Lose mehr oder weniger von allein, der zu erbringende Aufwand ist also recht gering. Da der Preis je Los in Relation zu dem zuerwartenden Gewinn sehr gering ist bedarf es auch keiner besonderen Verkaufsargumente.

Diese Idee hört sich also sehr interessant für verkaufswillige Hausbesitzer an, winken doch plötzlich wieder angenehme Erlöse.

Dem Beispiel aus den USA folgten Hausverlosungen in vielen Ländern Europas, unter anderem Östereich und England. Auch der erste Hausverloser aus Deutschland startet durch und will sein geerbtes Haus mit 48.000 Losen zu je 19 € einem neuen Besitzer zukommen lassen.

Aber so einfach ist das natürlich nicht. Nicht in Deutschland! Während in anderen Ländern die Gesetze eine solche Aktion zu lassen oder aber die Ämter “ein Auge zu drücken” ergeben sich in der Bundesrepublik durch das staatliche Lotteriemonopol rechtliche Probleme, da eine solche Verlosung in die Kategorie Glücksspiele fällt. Diese sind bekanntlich verboten und bedürfen im Zweifelsfall einer Sondergenehmigung. Um diese zu bekommen ist allerdings ein Gesellschaftlicher Nutzen und kein kommerzieller Zweck zu verfolgen, schwierig bei dem Verkauf einer Immobilie.

Vorbild TV-Quiz

Durch die Koppelung der Verlosung mit einer Gewinnspielfrage ergibt sich in Deutschland eventuell ein Weg das Lotteriemonopol zu umgehen, da der Teilnehmer in diesem Fall seine Gewinnchancen durch die Beantwortung der Frage beeinflussen kann. Ob dieser Weg letztlich wirklich eine Umgehung der gesetzlichen Zwänge darstellt bleibt abzuwarten.

Gefahren für den Käufer

Da eine solche Art der Besitzrechtübertragung im deutschen Recht (noch) nicht geregelt ist birgt der Erwerb einer Immobilie via Los von Privat einige Gefahren. Welche Belastungen erwirbt der Gewinner? In welcher Höhe werden Steuern oder Notarkosten fällig? Wie verhält es sich mit eventuellen Altlasten auf dem Grundstück? Fragen über Fragen, die selbstverständlich in einem entsprechenden Verlosungsvertrag geregelt werden können, allerdings ist bei den ersten Verlosungen ein gewisser Hype zu erwarten der entsprechende Gefahren birgt, da die Zeit einer entsprechenden Rechtsprüfung schlichtweg fehlt.

Chance fürs Immobiliengeschäft

Eine Hausverlosung stellt nicht nur für Privatleute eine lukrative Absatzmöglichkeit dar sondern auch für gewerbliche Immobilienverkäufer, könnte eine solche Variante doch zu einem starkem Absatzplus im Krisenjahr führen.

Fazit

Eine Hausverlosung ist eine gute Alternative für Hausbesitzer die Ihre Immobilie aus verschiedenen Gründen nicht am Markt verkauft bekommen, allerdings sollten sich einige Standards durchsetzen um es zu einer Win:Win-Situation zu entwickeln. Für den potenziellen Neueigentümer hält sich das Risiko zwar in Grenzen, jedoch kann der Traum vom Schnäppchen im schlimmsten Fall auch zum Alptraum werden.

Es ist also in jedem Fall wünschenswert das die Bundesregierung entsprechend reagiert und die deutschen Hausbesitzer, oder aber auch Immobilienmakler, im internationalen Vergleich nicht benachteiligt.