Die Gründerfalle
Existenzgründung, endlich Chef sein und den eigenen, hoffentlich erfolgreichen, Weg gehen. Für viele ein Traum der manchmal unverhofft in Erfüllung geht. Gerade wenn Arbeitslosigkeit droht oder einfach kein neuer Job in Aussicht ist locken die Förderungen des Staats und die Vision des eigenen Unternehmens. Warum auch nicht, solange alles gut geplant ist und die Bereitschaft selbst und ständig für sein Einkommen zu arbeiten stehen die Chancen für eine erfolgreiche Zeit als Unternehmer(in) gar nicht so schlecht.
Der Existenzgründungsberater (was ein Wort) verhilft einem dann schnell zu allerlei Wissen und steht bei den Fördergeldern auch beratend zur Seite. Voller Elan wird sich also auf die Arbeit konzentriert und darauf die ersten Kunden zu aquirieren. Geht ja meist nicht ohne. Sobald die ersten Kontakte Früchte tragen und die ein oder andere
Rechnung bezahlt wurde stehen auch schon die nächsten Investitionen ins Haus. Einige Arbeitsmittel müssen noch angeschafft werden und vorallem soll der eigene Auftritt attraktiver werden. Also ab auf die Suche nach Anbietern für Visitenkarten, Briefbögen, Websites, Autoaufkleber, und und und…
Und dann lockt da plötzlich ein Anbieter mit Sonderangeboten für Existenzgründer – das muss ja gut sein, ein tolles Paket mit Allem drum und dran: 1000 Visitenkarten, 1000 Briefbögen, eine tolle Website und das alles für nur x-tausend €, netto versteht sich – man ist ja Unternehmer.
An sich gibt es nichts gegen solche Angebote einzuwenden, wären sie nicht meist Dummfang. Fragen Sie bei einer solchen Firma genau dieses Angebot an – aber ohne zu erwähnen Existenzgründer zu sein. Sie werden einen ähnlichen Preis erhalten, aber mehr Leistung. Warum? Bei einem ganz normalen Angebot wird sich der Anbieter bei Qualitätsmängeln nicht herausreden können (das ist sooo billig, da können wir jetzt nicht nacharbeiten). Auch kann man auf diesem Weg Kosten sparen, oder brauchen Sie im 1. Jahr 1000 Visitenkarten? Also, 250 tun es wohl auch. Auch sollten Sie sich fragen warum dieser Anbieter solche Angebote gerade für Existenzgründer macht, schließlich sind etablierte Unternehmen viel attraktiver weil zahlungsfähiger.
Ich will hier natürlich niemanden Angst machen, es gibt auch viele seriöse Anbieter solcher Pakete – aber eben auch einige schwarze Schaafe. Gerade als Gründer hat man nicht viele Versuche da das Budget meist knapp bemessen ist. Überlegen Sie auch was wichtig für Sie ist, in einigen Branchen sind Flyer deutlich effektiver als eine Website – es ist immer eine Frage der Zielgruppe. Ein guter Dienstleister wird Sie darüber beraten und eine entsprechende Strategie entwickeln und Ihnen nicht irgendein Gründerpaket das Branchenübergreifend wahre Wunder bewirkt anbieten.





Wenn es nach der Zahl der Existenzgründungsberater geht, dann müßte Deutschland wohl die meisten Existenzgründungen in der Welt haben. Allein um die Bürokratie zu meistern, die auf einen Existenzgründer zukommt, braucht es wohl einen Berater. Allerdings kann sich jeder Existenzgründer kostenlos Beratung bei der IHK holen. Wirklich Sinn macht die Existenzgründungsberatung dann, wenn sie der Berater auf eine bestimmte Beratung spezialisiert hat. Wer einen Online-Shop eröffnen möchte, für den reicht eine Beratung durch die IHK wohl nicht aus, weil da einfach die Erfahrungen fehlen.