Niederlage für das Web 2.0? Mehrzad auf Platz 1 der Charts

Es war das Thema der letzten Tage, zumindest innerhalb der Fangemeinde des DSDS-Gewinners Mehrzad – schafft es die Facebook-Gruppe den Song Boomerang von Blümchen in den Charts vor den Song “Don´t Believe” ? Dazu hatten sich immerhin rund 24.000 Mitglieder in der  Facebook-Gruppe versammelt, ähnlich sah es auf StudiVz aus – dort sollte “Stairway To Heaven” gepusht werden. Doch jetzt die Niederlage, Mehrzad verdrängt Lena Meyer-Landshut (Satelite) auf Platz 2 und Boomerang landet sogar nur auf Platz 3,  “Stairway To Heaven” schafft es nicht mal in die Top10.  Für alle Fans des DSDS-Gewinners sicher eine Freude, für Dieter Bohlen eine Genugtuung.

Ist das also eine Niederlage für das Web 2.0?

Alles nur Zauber? Doch kein Einfluss der so hoch gelobten Gemeinde? Alles nur Schwindel der Berater? Auf den ersten Blick könnte man das tatsächlich genau so vermuten. Doch sobald man die ganze Geschichte genauer betrachtet wird schnell klar das die Aktion an sich doch recht erfolgreich war. Ein großes Problem ergibt sich aus den Plattformen, StudiVz und Facebook können nicht verknüpft werden – es handelt sich um Konkurrenten die jahrelang vor Gericht gestritten haben. Das die beiden Gruppen mit verschiedenen Titeln den Angriff auf die Charts versuchten ist ein Resultat daraus, aber irgendwie auch typisch Deutsch – jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Wenn man aber den Erfolg der beiden Gruppen addieren würde sähe das Ergebnis wohl besser aus, hätte wenn und aber zählen hier jedoch nicht.

Hinzu kommt natürlich die Medienmacht der RTL-Gruppe und der DSDS-Vermarktung ansich. In dieser Liga spuckt man sich nicht einfach mal gegenseitig in die Suppe und die Verbreitung der Aktion über die etablierten Medien blieb weitestgehend aus. Zudem gesellte sich die Kritik einiger User das man damit nur die Musikkonzerne unnötig bereichere, auch ein Grund warum der Erfolg geringer ausfiel als es grundlegend möglich gewesen wäre.

Zu wenig Weitsicht

Wäre das gewünschte Ziel, nämlich die “echten” Musiker zu fördern und den Stars aus den unzähligen Castingshows eine Absage zu erteilen, allen potenziellen Teilnehmern klar und besonders wichtig gewesen hätte man Mehrzad wohl auf Platz 2 verweisen können. Doch durch diverse technische Probleme und vor allem zahlreiche persönliche Eitelkeiten ist das Projekt letztlich zum Teil gescheitert. Zum Teil deshalb weil man (bisher) nicht Platz 1 besetzen konnte aber dennoch gezeigt hat das mit etwas mehr Organisation durchaus einiges machbar sein wird. Und das wird auch bis zu den Produzenten der Castingshows durchdringen, schließlich weiß man dort sehr genau über den Musikmarkt Bescheid.

Fazit

Diese Aktion hat auch in Deutschland doch gezeigt das soziale Netzwerke großen Einfluss ausüben können. Auch wenn das eigentliche Ziel denkbar knapp verfehlt wurde ist klar geworden das man etablierten Medienkonzernen, mit all ihren Mitteln und ihrer riesigen Reichweite, durchaus die Stirn bieten kann. Und das nur mit einer außergewöhnlichen Idee und dem Einsatz des eigenen Netzwerks. Mit etwas mehr Planung und Organisation wäre sicherlich auch der erste Platz machbar gewesen, die Gruppe selbst gibt derzeit noch nicht auf und für Freitag ist die nächste Aktion geplant. Es war also keine Niederlage für das Mitmach-Web, aber eben auch kein heroischer Sieg.