Was passiert nur mit dem Internet?
Könnt Ihr euch noch daran erinnern wie die westliche Welt hinter Google stand als der Suchmaschinenriese erklärte die Suchergebnisse in China nicht weiter zu zensieren? Auch wenn es wohl ein Marketingzug war (die Anteile auf dem chinesischen Markt waren nur gering) bedauerten wir all die Chinesen die nur einen kleinen, vorher zensierten, Teil des World Wide Web zusehen bekamen. Es gab einige dieser Momente in den letzten Jahren und immer wieder erfreute man sich in Europa und den USA des freien Lebens und Internets. Doch nun scheint diese Seifenblase zu zerplatzen.
Hier in Deutschland hat der Prozess ja schon mit Zensursula, wie die Sperrung einzelner Websites mit kinderpornografischen Inhalt genannt wurde, begonnen. Was aber in den letzten Tagen geschehen ist und noch geschehen wird scheint bedeutend verheerender.
Da wäre der JMStV über den ja schon viel berichtet wurde. Keiner weiß so richtig was nun geschehen wird bzw wie man als Blogger reagieren soll(te) oder lieber nicht. So mancher will sogar ganz aufhören. Aktuell habe ich sogar gelesen das die Pornoindustrie daran mitgewirkt hat (also nicht nur die Verlage). Ok, ehrlich gesagt wäre mir das alles völlig egal, sollten sich tatsächlich Abmahnanwälte “vereinigen” und tausende Blogger abmahnen ziehen ich auf wordpress.com um, ganz ohne Impressum und mache dort anonym weiter. Digitales Auswandern, Asyl in den USA – wo das Internet noch frei ist und Spaß macht. Aber denkste, denn das nächste große Ding im Web ist Wikileaks – oder besser die Folgen der Veröffentlichung der US-Dokumente.
Der große Irrglaube
Was waren das nicht für Ideale? Google und Amazon standen Jahrelang für erfolgreiche Internetgeschichte(n). Nutzerorientierte Unternehmen die durch ihr Ohr an der Webgemeinde zu riesigen und vermeintlich mächtigen Weltkonzernen wurden. Doch seitdem Amazon Wikileaks von seinen Servern verbannt hat brökelt der Glaube an die ideale Cloud und die große Webcommunity. Klar, genau genommen setzt Amazon nur seine AGBs durch, schließlich wissen wir alle das niemand bei Wikileaks irgendwelche Rechte an den veröffentlichten Dokumenten hat. Allerdings ist es schon auffällig das Amazon gerade jetzt so reagiert, Wikileaks existiert schließlich schon deutlich länger. Was Paypal nun veranstaltet ist dagegen schon heftig wie ich finde. Nicht nur das alle Wikileaks-Konten gesperrt wurden, was man fast noch nachvollziehen könnte, nein es wurden auch Konten von Menschen gesperrt die eine Überweisung an Wikileaks getätigt haben. Ehrlich gesagt bin ich von Paypal nicht überrascht, die Methoden dort waren mir schon immer suspekt, aber was geht es die Bank Paypal an was ich mit meinem Geld mache?
Wir wurden also ziemlich schnell auf den Boden der Realität geholt. Sobald eine Regierung mit dem Finger schnippst gehen die Lichter aus und man ist auch vor Eingriffen in sein persönliches Leben nicht mehr gefeilt. Danke auch. Allerdings geht es ja noch weiter. Wikileaks-Chef Julian Assange muss natürlich irgendwie Dingfest gemacht werden und als ich die Vergewaltigungsvorwürfe das erste Mal hörte dachte ich nur wie dumm man denn sein müsste um solche Vorwürfe zu stricken. Beschäftigt man sich aber näher damit wird eines klar: Besucht niemals Schweden, sofern ihr Männer seid! Dort gilt Geschlechtsverkehr nämlich auch mal schnell als Vergewaltigung, zum Beispiel dann wenn man während des Sex (aus Gründen die sich jeder selbst denken kann) das Kondom entfernt/verliert. Und so ist es wohl auch im Fall Assange gelaufen.
Ein Mann wird nun also mit internationalem Haftbefehl gesucht weil er beim einvernehmlichen Geschlechtsverkehr während des Akts sein Kondom “entfernt” hat – ob dies einvernehmlich geschah ist mir nicht bekannt. Glaubt man den Ausführungen von “Alles Schall und Rauch” hat keine der beiden Damen auch nur im Ansatz von Vergewaltigung gesprochen.
Was soll man also sagen in diesem Winter 2010? Offenbar sind wir von einem freien Internet weit mehr entfernt als jemals gedacht. Ganz sicher ist es Zweifelhaft ob die veröffentlichten Dokumente hätten im Web landen müssen. Ebenso sicher ist das im Fall JMStV alles heißer gekocht als gegessen wird. Eine spannende Zeit mit bedenklichen Entwicklungen, mal sehen was das neue Jahr bringt.




Eigentlich hat sich nichts geändert, das ist genauso wie in den letzten 10-15 Jahren auch. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und da sind wir uns sicherlich einig.
Ob man die Nummer von Wikileaks nun gut oder schlecht findet, lasse ich mal dahin gestellt. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Dokumente in ihrem Ursprung sich einer Legitimationsfrage unterziehen müssen. Abgesehen davon sind sie Pioniere, also Wikileaks. Was Amazon betrifft, und ich habe das Thema nicht verfolgt, ist Leaks nicht erst in die Cloud gezogen? Meine das zumindest aufgeschnappt zu haben.
Natürlich kommen in solchen Zeiten auch Verschwörungstheoretiker auf den Tisch. Aber mal im Ernst, die Welt ist voller Beschiss – das ist nicht erst seit diesem Winter so. Im Irak gibt’s auch zufällig gar keine Massenvernichtungswaffen. Am 11.9. fallen Gebäude ein, die nichts abbekommen haben… usw. usf.
Insgesamt würde ich die Ereignisse eher dazu nutzen mal die Augen auf zu machen, was eigentlich so los ist, mit Themen mit denen man sich sonst nicht wirklich beschäftigt (geht mir ja nicht anders).
just my 2 cents
Moin Kai,
klar ist das Web kein rechtsfreier Raum. Nur dachte man bisher immer das es ein freier Raum ist. Quasi eine idealere Welt, die zum Großteil von Einfluss merkwürdiger Regierungsentscheidungen verschont geblieben ist. Nun sieht man das es eben nur eine digitale Blase war und unterm Strich nicht viel besser ist als in unserer merkwüridgen Welt.
Oder, und dieser Gedanke kam mir Heute Morgen, auch diese Meldungen unterliegen der niedrigen Halbwertzeit im Internet und schon im Januar tun alle so als wäre nichts gewesen und machen weiter wie bisher…
So wird’s sein – wir sprechen uns im Februar
noch mal zum mitschreiben:
es handelt sich nicht um einen internationalen haftbefehl. bitte hören sie auf, dieses gerücht weiter zu verbreiten.
.~.
Tjoar, Piraten Partei wählen, würde ich sagen …