© 2017
A MarketPress Theme

Nebenverdienst der Bildzeitung?

Der Axel Springer Verlag wird und wurde in den letzten Jahren nicht müde auf vermeintliche Misstände und Benachteiligungen für die Verlage durch das Internet hinzuweisen. Im Prinzip ist (fast) alles was sich seit 2003 im Internet entwickelt hat und Anklang fand böse und behindert die deutschen Verlage an der finanziell lukrativen Verbreitung ihrer qualitativen 😉 Inhalte.

Zuerst war es Google. Der Suchmaschinenriese, der einen Großteil der Besucher liefert, verdient schließlich Unmengen an Geld ohne eigene Inhalte zu publizieren. Ganz klar, da muss etwas von abgegeben werden. Als man bemerkte dass sich Tante Google von den Drohungen und Forderungen wenig beeindruckt zeigte, ja sogar anbot die Inhalte großer Angebote wie Bild.de aus dem Suchindex zu entfernen wurde es plötzlich recht ruhig um dieses Thema. Zwischendurch mussten dann die Blogger daran glauben, auch wenn es hier nichts zu holen gab waren wir doch böse, schließlich ist auch der Kampf um die wertvollen PageImpressions mittlerweile ein Verdränungswettbewerb. Und wenn dann so mancher Blogger Werbung nicht als solche kennzeichnete war das besonders schlimm (wobei das einer der wenigen Punkte ist dem ich sogar teilweise zustimmen würde).

Mit dem Hype um iPhone und iPad und den damit verbundenen Apps roch man die nächste Möglichkeit mit den eigenen Inhalten Kasse zu machen. Die Bild-App kam auf den Markt und plötzlich wurden Apple-User für die Bildzeitung zur Kasse gebeten. Überraschung, die Resonanz war sehr negativ. Als dann die kostenlose Tagesschau-App erschien war das Geschrei wieder groß. Wie können die nur? Die Gebührenfinanzierten, die! Naja, immerhin gab Frau Piel dazu dann ein irritierendes und Springer-freundliches Interview – mal sehen wo das noch hinführt.

Was der Bildblog aber jetzt schreibt lässt mich doch schmunzeln. Wie der Name des Blogs vermuten lässt dreht es sich dort um die Inhalte und Fehltritte der Bildzeitung und Onlineausgabe. Aktuell wird dort an dokumentierten Beispielen aufgezeigt wie ein Markenname seit Anfang 2001 82 Erwähnungen in verschiedenen Artikeln fand. Man bedenke dass es sich bei diesen 82 nur um die vom Bildblog dokumentierten Nennungen handelt, vermutlich sind es noch mehr. Jetzt könnte man zwar denken dass 10 Nennungen eines Markennamen pro Jahr nicht wahnsinnig viel sind (was an sich auch richtig ist) aber betrachtet man die Beispiele erscheint das zum Teil doch absurd. Letztlich wird ja immer wieder der Anspruch des Qualitätsjournalismus betont und dazu gehört für mich auch eine Schreibe mit einem gewissen sprachlichen Niveau. Damit dürften dann Beispiele wie:

„Bild“, 30. September 2003:

Es geht doch nichts über eine leckere Brotzeit. Aber wie wär’s statt Einheitsschnitte mal mit ein paar exotischen Streichvarianten? Hier fünf Rezepte für die schnelle Luxus-Stulle. (…)

Pumpernickel mit Nutella, Frischkäse und Marmelade

Pumpernickelscheibe mit Frischkäse bestreichen. Darauf großzügig Nutella verteilen. Obenauf Kirschmarmelade mit ganzen Früchten geben.

Interessanterweise gibt es Frischkäse anstatt Philadelphia und auch die „Kirschmarmelade mit ganzen Früchten“ kommt ganz ohne Markennamen aus. Nur der Nuss-Nougat Brotaufstrich kam scheinbar nicht im Wortschatz des Autors vor. Einige Nennungen der Marke Nutella lassen sich natürlich nicht vermeiden, schließlich berichtet die Bild gern und oft über die Deutsche Fußball Nationalmannschaft, deren Sponsor bekanntlich Nutella ist. Ob allerdings solche Texte deshalb unabdingbar sind darf man sicher anzweifeln:

„Bild“, 31. Mai 2002:

So laufen die letzten Stunden bis zum Spiel

Heute
8 Uhr: Frühstück (Müsli, frischgepresster O-Saft, Kuchen, Nutella)

Nun ist es nichts neues dass eine überdurchschnittlich häufige Erwähnung in einem Medium wie eben der Bildzeitung sehr positiv für die Markenbildung ist. Macht man das lange genug entfallen nicht nur so manchem Autor die normalen Bezeichnungen für einen Nuss-Nougat Brotaufstrich sondern auch großen Teilen der Bevölkerung – und es gibt eben nur noch Nutella im Kopf. Klar dass dies jedem Marketingverantwortlichen nur recht ist. Doch passt so etwas zu einem Verlag der ständig mit dem Finger auf andere zeigt? Sollen das alles nur Zufälle gewesen sein?

BTW: Ich liebe Nutella 😀

Kommentare geschlossen.

1 Kommentar

  1. Auch wenn ich dir überwiegend zustimme, kann jetzt die Bild auch nichts dafür, dass Nutella der Gattungsbegriff für Nuss-Nougatcreme ist. Übrigens, wann hast’n du das letzte Mal Tempos gekauft oder im Baumarkt eine Rigipsplatte statt einer Gipskarton-Platte? 😉

    Würde eher ‚nen Brainbug beim Autor unterstellen ^^