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Die Akte TelDaFax | Gastbeitrag

Auf der Suche nach einer neuen Wirkungsstätte nach Abschluss meiner Ausbildung bin ich jüngst auf folgende Annonce gestoßen: Link

akte teldafax Die Akte TelDaFax | GastbeitragRichtig, TelDaFax, dessen Energiesparte vor Kurzem zahlreiche Stadtwerke gekündigt haben und deren fortdauernde Existenz wiederum von bisher unbekannten Investoren von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes abhängig ist, möchte mich beschäftigen. Ganz oben auf der Liste steht „Social Media“. Wie es sich für einen anständigen Bewerber gehört, betreibe ich natürlich zunächst etwas Recherche, um festzustellen wo genau ich gebraucht werde. Und decke dabei einen Social Media Shitstorm sonder Gleichen auf.

Alles beginnt Ende 2010, als das Handelsblatt unlautere Geschäftspraktiken anprangert: Die Vorauszahlungen, die Neukunden von TelDaFax abverlangt werden, fließen direkt in die Akquise von Strom für die Bestandskundschaft – unter Preis. Das dieses Schneeballsystem nur funktionieren kann solange genügend Neukunden den Weg zu TelDaFax finden versteht sich von selbst. Glaubt man der aktuellen Bilanz, ist das Unternehmen bereits seit geraumer Zeit bankrott; der ehemalige Vorstandschef Josten sitzt wegen Untreue im Kahn.

Diesen Umstand versucht TelDaFax natürlich nach Möglichkeit zu vertuschen, denn kein Neukunde der bei Verstand ist unterschreibt bei einem insolventen Stromanbieter. Doch auch die Bestandskunden sind aufgebracht: Da kein neues Geld mehr reinkommt, kann TelDaFax seine laufenden Verträge bei den Versorgern nicht bedienen, und so springen diese reihenweise ab: u.A. Bremen, Essen, Düsseldorf, Berlin und zuletzt Duisburg und München haben ihre Geschäftsbeziehungen zur Tochter des Telekommunikationsunternehmens aufgekündigt und fordern die ausstehenden Summen ein. Kunden werden für einige Monate in den Basistarif des örtlichen Versorgers übernommen, die Vorrauszahlungen von bis zu 1000 Euro und mehr sind vermutlich futsch.

Die Frage was ein neuer Pressereferent hier ausrichten soll scheint berechtigt. Zwischen Kommunikation und Realität klaffen kilometerweite Lücken; einzig Schadensbegrenzung kann hier noch Aufgabenstellung sein. Die Facebook-Seite, die TelDaFax eingerichtet hat um „hip“ zu sein und Ihre Meinungen zum Partnerverein Bayer Leverkusen zu verbreiten, ist von wütenden Kunden geradezu überrannt worden. „Seit über 1 Monat versuche ich Kontakt zu TelDaFax aufzunehmen aber telefonisch sie zu erreichen ist ebenso unmöglich wie eine Rückantwort auf Faxe oder E-Mails zu bekommen. Es ist echt eine Unverschämtheit.“ schimpft hier der User Jens H.; „Ein Sauladen!“ meint Kunde Patrick S. zu jedem Postauf der TelDaFax-Fanpage

Manch ein Unternehmen sieht über solche Kommentare ebenso hinweg wie es unliebsame Emails ignoriert – aber TelDaFax setzt noch einen drauf: Mit den Worten „Leute, die Seite ist echt nicht der geeignete Platz für Beschwerden und Kundenanliegen.“ fordert es die Kunden auf, ihrem Unmut gefälligst nicht öffentlich Luft zu machen. Man möchte nur „unterhalten, informieren, auf verschiedene Themen aufmerksam machen und Eure Meinung zu diesen Themen hören“:Link Für Vertragsangelegenheiten sei die Hotline zuständig, die allerdings nie besetzt scheint.

Nach dem zu erwartenden Aufschrei (O-Ton: „Ihr habt echt nichts kapiert.“) wurde dann zurückgerudert. „Wir wollten die Interaktion auf dieser Seite übrigens niemals einschränken!“ behauptet der nächste Post, man nehme die Kritik jetzt an. Auch eine zusätzliche Emailadresse ist eingerichtet worden, doch beides führt zu keiner Entspannung. Zuletzt dokumentiert die Facebook-Seite „TelDaFail“ die Geschehnisse hinter den Kulissen: der als Anlagenbetrüger inhaftierte Josten leitet weiter die Geschicke des Unternehmens, sein aktueller Strohmann wird entlassen aber ein neuer direkt wieder eingestellt: Mehr dazu beim Handelsblatt.

TelDaFax  haben Fans vom Posten ausgeschlossen und zeigen lieber Fotos von einem Kinderfest als in den Dialog zu gehen. Seit Ende März herrscht Funkstille bei Facebook. Ich wünsche einem neuen Pressesprecher in diesem Unternehmen viel Glück – ich suche mir derweil etwas Anderes…

weitere Links:

Über den Autor

Berthold (@bertholdb) ist Kommunikationsdesigner und ehemaliger IT-Unternehmer und steht kurz vor seinem Abschluss als Mediengestalter mit Schwerpunkt Konzeption & Visualisierung. Er spricht, schreibt, übersetzt und gestaltet und sucht eine neue Wirkungsstätte in Trainee- oder Juniorpositionen. Mehr Artikel (auf Englisch) hier: http://www.berthold-barth.de/

Kommentare geschlossen.

11 Kommentare

  1. Ich dachte das Gleiche, als ich deinen Artikel gelesen habe. TelDaFax – gibts die überhaupt noch 😉

  2. Hi Matthias,

    auf jeden Fall eine interessante Geschichte und, leider, ein weiteres Beispiel von: „Wir müssen da mal was auf Facebook mache“….

  3. Spannender Job und ne echte Herausforderung. Vorausgesetzt die Kohle fließt.

  4. Enrico, ich würd den Artikel hier so nicht stehen lassen. Das könnte Ärger nach sich ziehen, denn da sind Behauptungen drin, die vom Autor nicht belegt werden.

    Zudem: Was ist dieser Berthold Barth für ein Typ? Ein Unternehmen in dem alles supi ist, in dem alles glatt läuft, braucht weder PR, geschweige denn Social Media. Und wenn Teldafax nun eine Stelle ausschreibt um in diesen Feldern aktiv zu werden, dann ist das sicher nicht mit „Fail“ zu bezeichnen.

    So ne Leute, die einach mal blind drauf los kloppen, die braucht kein Mensch. Und sie helfen auch keinem verprellten Teldafax-Kunden.

  5. Dieser Berthold Barth, wenn ich das mal selbst sagen darf, ist ein echt netter, freundlicher Typ, der was seinen Job angeht aber keinen Spaß versteht. Ersteres bedeutet, dass er bei Missständen, wo Kunden mit voller Absicht verprellt werden, deutliche Warnungen ausspricht. Was in diesem Fall recht einfach war, denn das Handelsblatt und die Kunden auf Facebook haben ja bereits alle Fakten zusammen getragen, wie Du unschwer unter den angegebenen Links feststellen kannst. Sei‘ versichert, dass er grundsätzlich ausgiebig recherchiert, bevor er etwas einreicht.

    Was Berthold als professionellen Werbetreibenden angeht bedeutet Professionalität für Ihn, seinen und den Ruf seiner Branche vor Schaden zu schützen, indem er ganz klare Grenzen zu Aktionen wie der oben im Artikel Beschriebenen zieht. Berthold steht für Transparenz und ehrliches Marketing und findet es schade, dass selbst namhafte Sprecher der Branche wie Du, Frank, das für ein Oxmoron halten. Auch und gerade Unternehmen die ehrlich sind brauchen Marketing um sich am Markt gegen Lügner und Betrüger (s. Seth Godin : „All marketers are liars“) durchzusetzen. Weniger und Gezielteres vielleicht, aber die Unternehmen die überhaupt kein Marketing (mehr) brauchen lassen sich an einer Hand abzählen.

    Ich hoffe damit begründet zu haben, warum ich „Blindes drauf los kloppen“ nicht unterschreiben kann.

    Ich persönlich danke Dir für Dein Feedback.

  6. Ich bin kein namhafter Sprecher der Branche. Denn ich spreche nicht für die Branche. Allenfalls spreche ich für bessere Werber (weil „Marketing für Besserwerber“). Selbst das nur eingeschränkt.

    „TelDaFax nehmen derweil weiterhin Bestellungen in Gebieten entgegen die sie gar nicht mehr versorgen können“

    Kannst du eine solche Aussage „gerichtsfest“ belegen? Wodurch? Verfügst du über eine ähnliche Reputation und vor allem über ähnliche finanzielle Mittel wie z.B. das Handelsblatt?

    Der oben stehende Artikel ist sicher einer der miesesten, die im Netz zu finden sind. Denn er entält keinerlei konstruktive Kritik. Das ist nur ein Draufhauen im Sinne von „Hängt ihn höher.“ Damit profilierst du dich nicht, dadurch disqualifizierst du dich.

  7. So Jungs,

    ich habe mir dass jetzt alles nochmal durchgelesen. Stimme Frank in dem Sinne zu dass die Aussage bezüglich der Gebiete, trotz der Userstimmen, relativ schwammig ist. Habe deshalb diesen einen Satz entfernt.

    Auch wenn der Artikel sicher sehr scharf geschrieben ist belegen die verlinkten Quellen ja die Aussagen. Ich selbst hatte mich damals entschieden nicht über TelDaFax zu schreiben, allerdings sehe ich die ganze Geschichte als Beispiel für ein Unternehmen dass sich zunächst einmal um Interna kümmern sollte anstatt sich auf Social Media Plattformen zu stürzen. Denn mit all diesen schwelenden Bränden in und um den Konzern ist ein solches Echo quasi vorprogrammiert und auch kaum abwendbar.

    Vielleicht können wir nun wieder zu eben diesem Kernthema zurückkehren und decken doch noch Potenziale oder Varianten auf mit denen man in solchen Situationen auch auf Facebook positives Feedback sammeln kann/könnte ?! Denn das würde mich tatsächlich sehr interessieren…

  8. salve enrico. Wollt dich gerade bitten an der stelle unbestätigten berichten zu folge einzufügen aber ohne dem satz verliert der artikel ja auch nicht an wirkung.

  9. Social Media ist definitv ein heißes Eisen, wenn es Probleme in einer Firma gibt.
    Das hatte einst auch Dell zu spüren bekommen. Die lernten jedoch und machten etwas daraus, indem sie die Leute aktiv in Verbesserungsprozesse einbeziehen. Muss halt ernsthaft sein.

  10. Dell sind auf jeden Fall ein echtes Musterbeispiel für die Branche und auch von so etwas lässt sich eine Menge lernen. Vor allem läuft bei denen auch der Laden an sich sehr rund, und das ist der Knackpunkt: Schönreden einer schlechten Situation ist nur eine neue Schicht Lack für ein kaputtes Auto – sieht zwar auf den ersten Blick besser aus, fällt aber noch auf dem Hof in seine Einzelteile zusammen. So etwas kann Social Media im Speziellen und Marketing im Allgemeinen einfach nicht leisten. Dafür sind wir nicht zuständig.

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