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Social Media im Kommunalwahlkampf? Ein kurzer Erfahrungsbericht

Am 22. April 2012 wurde hier in Rudolstadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Zeitgleich mit den Nachbarorten Saalfeld und Bad Blankenburg sowie dem Landrat des gesamten Landkreis, was nicht unbedingt gut war. Durch die Vielzahl an Wahlkampfwerbung zu den verschiedensten Ämtern, Städten und Kandidaten war die Gefahr, dass der umworbene Bürger verwirrt zu Hause bleibt nicht von der Hand zu weisen. Trotzdem gingen wir das Thema überaus zuversichtlich an, arbeiteten wir doch für den bisherigen Amtsinhaber.

Neben den Klassikern wie Flyern, Broschüren, diversen Give-aways und Großplakaten entschieden wir uns auch ganz bewußt für Facebook. Hier in Rudolstadt wohnen viele junge Menschen, allerdings bekommt man diese während der Arbeitswoche nur sehr selten zu Gesicht – sie arbeiten nämlich „drüben“, in den alten Bundesländern. Und da nützen weder solche wunderbaren Plakate (man beachte das Bierplakat 😉 )

 

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noch die Informationsveranstaltungen, die Mittwoch und Samstagvormittag stattfanden. Also Facebook, dort halten sich eben jene Jugendliche auf.

Die Ausgangssituation

Unser Kandidat war, wie bereits erwähnt, Amtsinhaber. Der Titelverteidiger hat einen großen Vorteil: man kennt ihn. Der Nachteil: Er wird für alles, was in den letzten Jahren oder auch Jahrzehnten geschehen ist, verantwortlich gemacht. Unabhängig davon ob er etwas damit zu tun hatte oder auch nicht. Zudem hatten wir es mit 4 weiteren Kandidaten aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen und mit den unterschiedlichsten Budegts zu tun. Bei rund 20.000 Wahlberechtigten und einer erhofften Wahlbeteiligung von 50%.

Der Ablauf

Wie bereits erwähnt fand die klassische Schiene, mit Flyern, Plakaten, Zeitungsanzeigen und Infoveranstaltungen großen Anklang bei den Mitwahlkämpfern. Das funktioniert ja schon seit Jahren, das wird also weiter gemacht. Und das ist und war auch richtig so, schließlich dreht sich gerade in einer demografisch weniger gut aufgestellten Stadt bei weitem nicht alles um das Internet oder gar Facebook. Vor dem sozialen Netzwerk mit dem blauen f bestand dann auch einiges an Berührungsangst. Wie kann man denn da was, wann, wo und warum machen? Insbesonder bei den Mitwahlkämpfern, die einen tollen und zudem ehrenamtlichen Job gemacht haben, bestand große Angst zu viel Privates im Web preiszugeben. Diesen Umstand sind wir dann, nicht ganz sauber, mit einem extra Facebookkonto umgangen. Um die Geschichte etwas zu puschen wurden zu Beginn einige Anzeigen geschalten und natürlich auch das eigene Netzwerk kräftig zum mitmachen animiert. Die ersten Ergebnisse gaben dann doch Grund zum staunen:

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Laut den Facebookstats hatten wir unter 10% Streuverluste, der Rest der User kam tatsächlich zumindest aus dem Landkreis. Und da sind dann 7.200 Personen wirklich beeindruckend gewesen.

Mit der schnell wachsenden Reichweite entwickelte sich auch rasch eine wunderbare Diskussionskultur aus Befürwortern, Kritikern und mehr oder minder Unentschlossenen. Zu Beginn brauchte es sicher etwas Anschubhilfe, um die Diskussion am Laufen zu halten, aber spätestens als ein Mitbewerber versuchte seinen Wahlkampf auf unserer Fanpage zu führen war kein zutun mehr notwendig. Während meine Mitstreiter zunächst relativ nervös wurden war ich extrem gespannt wie die Community darauf reagieren würde. Schließlich ist so ein kommunaler Wahlkampf sehr oft recht emotional, auch für die umworbenen Wähler. Doch die Rudolstädter überraschten mich positiv und zeigten eine angenehme, aber doch bestimmte Diskussionskultur. Der Mitbewerber hatte sich schlussendlich einen Bärendienst erwiesen, denn die Stimmung schlug ganz deutlich in Richtung unseres Kandidaten um.

Die Fanpage wurde mit dem fanpageGenerator umgesetzt. Nicht weil wir in der Agentur keine Fanpages erstellen können, sondern weil der Bedienkomfort für den „normalen“ User einfach hervorragend ist. So lassen sich die Inhalte, egal welcher Form, ganz einfach wie in einem CMS bearbeiten, hinzufügen, entfernen. Ein Punkt der uns besonders wichtig war, da das Wahlkampfteam auch aus weniger internetaffinen Menschen bestand. Wer sich gern ein Bild vom fanpageGENERATOR machen möchte sollte sich einfach das Tutorial hier ansehen: Klick

Ein großer Vorteil ergab sich aus der einfachen Erreichbarkeit des Bürgermeisters, die bei den Bürgern sehr, sehr gut ankam. Man konnte einfach etwas auf der Fanpage posten oder ihm eine Nachricht schreiben und bekam, meistens, eine zügige Antwort.

Das Ergebnis

Die Kampagne wurde in der regionalen Presse als die Beste im Landkreis gewählt, und das noch vor dem eigentlichen Wahltag. Aber davon kann man sich bekanntlich nichts kaufen. Viel interessanter war das Wahlergebnis, das in seiner Deutlichkeit so nicht zu erwarten war. Unser Kandidat gewann mit beeindruckenden 63% der Stimmen. Seine Mitbewerber kamen nicht über 11% hinaus.

Fazit

Auch wenn zu Beginn gewisse Zweifel bezüglich Facebook bestanden hat sich der Einsatz definitiv gelohnt. Es gibt im Prinzip 2 Dinge die zu beachten sind:

1. Klare Definition eines Teams und deren Kompetenzen

2. Eine informative und gut getimte Contentstrategie, die zugleich aber Spielraum für Reaktionen auf Mitbewerber oder andere Ereignisse lässt

 

 

Kommentare geschlossen.

3 Kommentare

  1. Glückwunsch zur gelungenen Aktion. Ich kann aber auch gut verstehen, dass ihr anfangs skeptisch gewesen seid. ´Gerade im Bereich der Poltik wandert man da auf einem sehr dünnen Grad zwischen großem Erfolg und Shitstorm :)

  2. Ach, so ein Shitstorm kann manchmal auch nützlich sein. Nur in diesem Beispiel wäre es verheerend gewesen, da die Zeit so kurz war.

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