© 2016
A MarketPress Theme

In Blogger-Sache: Strafanzeige gegen Abmahn-Agentur

Dieses Thema hat nur in geringem Maße etwas mit Marketing zu tun, muss aber dennoch auch hier aufgegriffen werden. Es geht (mal wieder) um Abmahnungen von Bildagenturen gegen Blogger. In diesem speziellen Fall sogar um unberechtigte Abmahnungen der besonders tiefen Schublade. Auch wenn immer wieder argumentiert wird, dass Blogger einfach keine Bilder, die sie nicht selbst gemacht haben, verwenden sollen ist es Zeit für einen Stellungswechsel. Das derzeitige Internet setzt sich vorallem aus geteilten Inhalten zusammen, anders wäre der Erfolg von PSY und seinem Gangnam Style (um mal das populärste Beispiel schlechthin zu nehmen) nicht möglich gewesen. Und von diesen Erfolgsstorys gibt es sehr viele, und es gibt sogar einen Begriff dafür: virale Hits/Videos/Bilder/Storys. Von solchen Erfolgen träumen weltweit mindestens 1.247.345 Menschen, egal ob Fotografen, Musiker, Maler oder Marketingmenschen – doch natürlich reicht es bei 99% der ins Web geladenen Inhalte nicht zum viral, auch wenn die Urheber ständig ihre Statistiken überprüfen und sich bei der Veröffentlichung in einem großem Netzwerk oder einem bekannten Blog die F5-Taste kaputt drücken. So weit, so gut.

Diesem bunten Treiben steht leider das Urheberrecht im Weg. Nicht, weil es ein schlechtes Recht ist, sondern weil es leider niemals den Weg ins Internet gefunden hat. Denn: der eigentliche Sinn dieses wichtigen Recht ist es die Urheber zu schützen, niemand soll mit dem Werk eines anderen Geld oder Anerkennung verdienen. Das wollen die aktuell abgemahnten Blogger auch gar nicht, sie verbreiten die (in diesem Fall) Bilder, kommentieren diese und verlinken die Quellen. Nichtanwälte würden das als kostenlose Werbung definieren. Marketing und RR-Agenturen um den ganzen Globus beschäftigen ganze Abteilungen um die „Werke“ ihrer Kunden in diesen und anderen Blogs zu platzieren (Bloggerrelations). Nochmals zur Klarstellung: In den konkreten Fällen hat keiner der mir bekannten Blogger auch nur im Ansatz versucht mit den Bildern Geld zu verdienen. Es wurde darüber berichtet und das jeweilige Bild abgebildet, in einer Auflösung die nur zur Darstellung am Monitor eignet. Und: es wurde auf die Urheber verlinkt. Lässt man also das Recht außen vor, haben die Urheber in diesen Fällen von den Veröffentlichungen stets profitiert. Der Schrei nach einem dem fairuse aus den USA ähnlichen Passus im Gesetz wird nun immer lauter, hoffentlich so laut dass man ihn auch in Berlin vernimmt.

Den Mangel an Anpassung des Urheberrechts folgt seit einigen Jahren ein Teil der Anwaltschaft und versendet Abmahnungen, als Laie mag man behaupten in willkürlicher Höhe. Damit sollen Forderungen der Bildagenturen, die die Rechte der jeweiligen Urheber vertreten, durchgesetzt werden. Schließlich sollen auch die Blogger für die Bildverwertung zahlen. Eine Forderung, der ich zustimmen würde, wenn die Bilder denn tatsächlich für den redaktionellen Teil des Blogs verwendet würden. Aber sie sind der redaktionelle Teil, über die Werke wird berichtet. Für mich ein wichtiger Unterschied. Wer geschützte Bilder zur Gestaltung seiner Website oder zum ausschmücken seines Artikels nutzt und dafür nicht zahlt, der sollte auch eine Abmahnung erhalten (das ist doch der eigentliche Sinn von Bildagenturen, oder?).

Der Hammer ist aber nun der Fall, in dem Blogger für Bilder abgemahnt wurden deren Rechte gar nicht bei der abmahndenen Bildagentur lagen. Ein unglaublicher Fall? Ja, aber wie immer schreibt das Leben die besten Storys. Und dem nicht genug, stimmen die Vermutungen diverser Blogger kauft eben diese Agentur gezielt Bildrechte von Bildern die bereits auf vielen Blogs und Foren veröffentlicht sind. Und mahnt dann natürlich ab. Sollte dies rechtens sein wird es bald sehr dunkel und vorallem schwer für Künstler im Web. Ich würde dann zumindest nie wieder ein Bild von egal wem veröffentlichen.

Das Gute: Die betroffenen Blogger wehren sich. Und das möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich unterstützen. Wie bei whudat.de zu lesen ist, wurde Strafanzeige gegen die abmahnende Kanzlei und deren Auftraggeber gestellt. Ob diese große Aussicht auf Erfolg hat kann ich nicht beurteilen, aber die dort beschriebenen Methoden dürfen so auf keinen Fall durchgehen.

Lest, besucht, kommentiert und verbreitet gern auch die anderen Artikel zum Thema:

Kommentare geschlossen.

1 Kommentar

  1. Ich hoffe für ihn und all die anderen Abgemahnten, das er mit der Strafanzeige erfolg hat. So eine sauerrei ist unterste Schublade!