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Kommunalwahlkampf 2014: Plakate, Folder, Facebook

Am 25.Mai 2014 wurden die Wahlberechtigten Bürger mal wieder um ihre Stimme gebeten. Neben der Europawahl standen vielerorts auch Kommunalwahlen auf dem Programm. Und so ging es um Plätze in Kreistagen und Stadt- bzw Gemeinderäten. Auch ich war mal wieder in den Wahlkampf involviert und möchte meine Erfahrungen daraus gern mit euch teilen.

In unserem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, mitten in Thüringen, stand die Wahl für einen neuen Kreistag an und wir gründeten relativ kurzfristig im November 2013 eine Wählervereinigung um den etablierten Parteien etwas Druck zu machen. Die dann gegründete BfL setzte sich recht schnell aus gut 35 Mitgliedern zusammen, davon stellten sich 31 zur Wahl. Geld war natürlich nahezu nichts vorhanden, wie auch in 4 Monaten.

Problem 1: Bekanntheitsgrad

Trotz regional bekannter Mitglieder ging die Pressemitteilung zur Gründung mehr oder weniger unter. Dies ist sicher nicht zuletzt dem allgemeinen Desinteresse an politischen Themen geschuldet, für einen gerade erst gegründeten Verein aber ein großes Problem. Die Aufgabe war also möglichst breit und flächendeckend aufzutreten. Das klingt zunächst einfach, bei ca 110.000 Einwohnern die sich auf 1.034 Quadratkilometer und in 38 Gemeinden verteilen ist flächendeckend aber nicht ganz einfach. Letztlich einigte man sich, budgetbedingt, auf eine Mischung aus klassischen Mitteln wie Plakaten und Foldern und modernen Medien wie Website und Facebook. Insbesondere mit Facebook hatte ich hier bereits 2012 gute Erfahrungen gemacht.

Flankiert von Auftritten in Pressegesprächen und Radiointerviews sollte so die Bevölkerung über unsere schiere Existenz erfahren.

Problem 2: Überzeugen

Entgegen dem vielerorts beschriebenen „gute Inhalte verbreiten sich allein“ muss im politischen Geschehen nachgeholfen werden. Nur Bekanntheit allein reicht nicht, man muss mit seinen Inhalten überzeugen und die Personen dahinter an den Bürger heranbringen. Das ist natürlich die schwierigste Aufgabe, behauptet doch jeder nur das Beste für den Bürger zu wollen. Auch hier lag der Lösungsansatz in verschiedenen Mitteln:

Plakate

Neben einem Plakat unserer 3 Spitzenkandidaten fertigten wir in einzelnen Gebieten Plakate mit Mitgliedern aus dieser Region an. So wurde die Nähe zum Bürger deutlicher und an den Laternen hingen bekannte Gesichter aus der Nachbarschaft. Rund 1500 Plakate säumten so die Straßen im Landkreis und trugen zur Verbreitung der Marke und auch der Gesichter dahinter bei.

Folder

Ein Folder mit den wichtigsten Punkten des Wahlprogramms wurde an alle 55.000 Haushalte im Landkreis verteilt. Zentrales Element waren auch hier wieder die einzelnen Kandidaten, die mit Kurzinfos vorgestellt wurden. Der Folder sollte unser Auftreten in der Öffentlichkeit mit Zielen und Ansichten untermauern.

Website

Auf der Website wurden neben dem Wahlprogramm die Kandidaten detaillierter vorgestellt. Auf allen Werbemitteln während des gesamten Wahlkampfs wurde die URL der Website aktiv beworben, da hier auf einfache Art & Weise die größte Menge an Informationen bereitgestellt werden kann.

Facebook

 

Mangels Budget 560 Kommunalwahlkampf 2014: Plakate, Folder, Facebookkonnte keine große Facebookkampagne gefahren werden. Dank Erwähnungen in diversen Medien und der Schulung der Mitglieder Inhalte zu teilen und nicht nur zu liken wuchs unsere Fanpage allerdings binnen weniger Tage zur größten politischen Facebookseite im Landkreis. Mit der nun erhaltenen Fanbasis galt es nun möglichst effizient zu arbeiten. Die Inhalte im Wahlkampf mussten sich gut verbreiten, auch weil wir uns gerade in der etwas jüngeren Zielgruppe Stimmen von potenziellen Nichtwählern erhofften. Ein ausgewiesener Social Media Berater würde jetzt sagen, dass der Content likeable und shareable sein muss. Das bedeutete für uns konkret, dass wir Fotos von einzelnen Kandidaten mit einem kurzen persönlichen Statement versehen haben. Zu meiner persönlichen Überraschung erwies sich diese Variante als überaus gut, ich hätte nicht mit einer derart starken Performance gerechnet. Die Bilderposts wurden oft geteilt und noch mehr geliked, so dass einzelne Beiträge 6x mehr Menschen erreichten, als wir Fans hatten. Insgesamt erreichten unsere Beiträge in 4 Wochen Wahlkampf rund 62x mehr Aufrufe als die Fanpage Fans hat. Damit war ich recht zufrieden, noch besser war aber, dass wir mit Einwohnern ins Gespräch kamen.

Facebookprofile der Mitglieder

Kreistagswahl ist immer auch Personenwahl. Daher stellten wir unseren Mitgliedern Titelbilder zur Verfügung um auch dort präsent zu sein. Ein Nachteil dieser Variante ist allerdings die Verlagerung der Diskussionen, jedoch lässt sich das in einer oft sehr persönlichen Wahlentscheidung nicht verhindern.

Das Ergebnis

wahlergebnis bfl Kommunalwahlkampf 2014: Plakate, Folder, FacebookDa auf der Liste der CDU der amtierende Landrat auf Stimmenfang ging waren die Erwartungen eher zurückhaltend. Ab 3 von 46 zu verteilenden Sitzen wäre wohl ein Großteil der Mitglieder für den Start zufrieden gewesen, am Ende wurden es 12,5% der Stimmen und damit 6 Sitze. Letztlich hätte ich sehr gern einen Sitz mehr gehabt, dann wäre man drittstärkste Kraft gewesen, so mussten wir uns knapp hinter der SPD einreihen. Trotzdem bin ich mit dem Ausgang ganz glücklich, da dank der Verteilung (CDU 15, Linke 9, SPD 7 und wir 6 Sitze) mit den Mitgliedern der BfL gesprochen werden muss. Enttäuschend hingegen ist, dass die NPD auch 3 Sitze abbekommen hat und damit vor FDP, Grünen und einer anderen Bürgerinitiative (jeweils 2 Sitze) steht.

Der Wahlkampf in nackten Zahlen

Für die letztlich erhaltenen 17134 Stimmen haben wir 55.000 Folder drucken und verteilen lassen, ca 1.500 Plakate gehangen, 27 Facebookposts mit einer Gesamtreichweite von 16568 Aufrufen erstellt, 53 Fotos bei 4 Fotoshootings geschossen und 2853 Besucher auf unsere Website gelockt.

Fazit & Learnings

Wahlkampf ist purer Stress. Man muss bei Wählervereinigungen zudem beachten, dass das Geld aus den Taschen der Mitglieder und einiger weniger Unterstützer stammt und es keinerlei Unterstützung wie bei den Volksparteien gibt. So haben wir neben der Konzeptarbeit und dem Wahlkampf als solchen gut 1000 Plakate selbst geklebt, hunderte davon selbst auf- und abgehangen und unglaublich viel Bürokratie abgearbeitet. Trotzdem hat es sich letztlich natürlich gelohnt. Nun haben wir 5 Jahre Zeit die Defizite der ersten Wahlperiode abzubauen und natürlich mit guter Arbeit für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Überraschenderweise war auch in 2014 Facebook ein scheinbar wichtiger Faktor. Dort wurden Diskussionen geführt und nachweislich mehrere tausend Menschen aus dem Landkreis erreicht, den Mitbewerbern ist dies erneut nicht in diesem Ausmaß gelungen.

Inhaltlich haben sich vor allem Persönlichkeiten und positive Meldungen sowie umsetzbare Visionen als besonders geeignet. Die teils unsachlichen und destruktiven Beiträge einzelner Konkurrenten stießen bei den Fans auf wenig Gegenliebe.