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Werbeagentur: ist regionalität ein wichtiger Faktor?

Betrachtet man die Werbewelt fernab der Konzerne und omnipräsenter Marketingkönige wie Red Bull oder Coca Cola verliert man manchmal den Glauben an die Agenturen dieser Welt. Klar, jeder braucht seine Brot & Butter Kunden und gerade dort lassen sich nicht immer die tollen Dinge durchsetzen, trotzdem gibt es einfach so viel wirklichen Mist in Zeitschriften und digitalen Medien zu betrachten, dass es einfach weh tut. Nun liegt die Schuld sicher nicht immer am Kunden oder der Agentur allein, wie so oft findet sich die Wahrheit wohl in der Mitte. Doch wie sollte man eigentlich die passende Werbeagentur auswählen? Sind Preise bei zweifelhaften (weil völlig unbekannten) Wettbewerben ein Indiz? Muss Gutes mindestens 150€ pro Stunde kosten? Sind Agenturen mit weniger als 30 Mitarbeitern grundsätzlich doof? Spielt es irgendeine Rolle wo die Agentur sitzt?

Woran man eine gute Agentur erkennt

Das meiner Meinung nach wichtigste Kriterium ist ganz einfach und bereits beim ersten Kontakt zu erkennen: zuhören. Kann der Keyaccount Manager, Berater oder was auch immer der Typ, der bei Dir aufschlägt auf der Visitenkarte stehen hat, zuhören? Versucht er tatsächlich zu verstehen wie dein Unternehmen tickt, was es für besondere Herausforderungen hat und wie es bis jetzt Kunden gewonnen hat? Oder packt er einfach Lösungen aus seiner Schublade aus, die vielleicht passen können? Jedes Unternehmen, jede Marke, ist individuell und hat ganz eigene Probleme, Schwächen und Stärken – diese gilt es gleich zu Beginn zu entdecken.

Natürlich sollte die Agentur auch fachlich einiges zu bieten haben, doch auch hier ist Vorsicht geboten. Ist die Werbeagentur schon etwas älter (also mehr als 5 Jahre am Markt) und präsentiert nur alte Referenzarbeiten ist das ein Anzeichen dass die Mitarbeiter gewechselt haben und Heute vielleicht gar nicht mehr die gezeigte Qualität liefern können. Natürlich hat eine Werbeagentur nicht für jeden Fall tagesaktuelle Referenzen, aber lasst euch immer auch aktuelle Arbeiten zeigen. Selbst wenn diese aus einer anderen Branche sind oder aus dem Digitalbereich während man selbst gerade etwas in Print machen will. Lasst euch auch genau erklären wie das jeweilige Projekt verlaufen ist, wer war noch zusätzlich im Boot? Welche Umstände haben zu dem Ergebnis geführt und vor allem was war das Ergebnis? Es ist auch nicht unüblich nach Ansprechpartnern bei den gezeigten Kunden zu fragen, manchmal ist das nicht möglich aber in der Regel sollte das kein Problem sein. So lässt sich auch die Kundenseite betrachten. Wurden Deadlines eingehalten? Wie war die Kommunikation?

Lasst euch auch nicht von Zertifikaten oder Preisen blenden! Wie oft habe ich gehört dass Agentur XY „mit Google zusammenarbeitet“… Am Ende war es nur ein Adwords Partner – die machen also einen gewissen Umsatz pro Jahr mit Adwords. Das qualifiziert erstmal zu garnichts und ist bestenfalls der Beweis dass auch andere Unternehmen dieser Agentur in Sachen Adwords vertrauen. Die unzähligen Preisverleihungen, ohne die Arbeiten dahinter schmälern zu wollen, sind zwar durchaus ein Hinweis auf gute Arbeit, bedeuten aber im wesentlichen dass jemand in der betreffenden Agentur Zeit hatte um Arbeiten bei den Preisverleihungen einzureichen. Es kann also durchaus ein Beleg für gute Arbeit sein, muss aber immer im Details betrachtet werden.

Zu guter Letzt gibt es noch die Preisfrage. Hier spalten sich die Meinungen gern sehr breit auf, ich halte den Preis jedoch für zweitrangig. Es gibt Werbeagenturen, gerade fernab von den Ballungsgebieten, die zaubern für 50 oder 60 Euro pro Stunde wirklich tolle Sachen aufs Papier oder den Monitor. Und es gibt Agenturen die für 150 oder mehr Euro die Stunde ziemlichen Quatsch proudzieren. Natürlich muss es in euer Budget passen, aber auf den Preis würde ich persönlich nicht viel geben, dafür ist die Branche nicht homogen genug. Klar sollte aber auch sein, dass für 30€ oder weniger pro Stunde nicht viel zu erwarten sein kann, da die Begleitkosten für Soft- und Hardware damit nicht zu decken wären.

Das Thema mit dem Standort

Auch hier gibt es sicher unterschiedliche Meinungen. In Zeiten digitaler Arbeit ist es relativ unproblematisch, ich habe für Kunden aus Australien, Hong Kong, Indien, Italien, England und den USA gearbeitet ohne meinen Arbeitsplatz zu verlassen. Allerdings waren das alles Unternehmen auf einem gewissen Niveau, und das ist dann auch notwendig um ohne persönliche Treffen gute Ergebnisse zu erzielen. Mit einem Mittelständler der das Marketing auf die 15 freien Minuten des Geschäftsführers und die eh schon überlastete Sekretärin verteilt wird das nicht funktionieren, da geht es nur über tatsächliche Präsenz. Genauso machen gewisse Prozesse des digitalen Arbeitens nur ab einem gewissen Umfang Sinn, für ein paar Flyer oder Visitenkarten, ebenso wie für eine kleine Anzeige ist es definitiv sinnvoller eine Agentur vor Ort zu suchen. Geht es dabei um Leistungen im Onlinesektor ist es in jedem Fall zu empfehlen Google zu fragen. Wer in Aachen sucht gibt also Werbeagentur Aachen bei Google ein, wer lieber etwas in Benenberg sucht googlet danach – denn alle Agenturen die sich online auf die Fahne schreiben sollten in den gängigen Suchmaschinen auf den ersten Seiten zu finden sein. Je nach Größe des Gebiets ist die Auffindbarkeit dann einzuordnen, schließlich bedarf es in Berlin deutlich mehr Aufwand auf der ersten Seite zu stehen als im sächsischen Zwickau. Betrachtet dann auch den gesamten Auftritt der Agentur mit kritischen Augen. Halten sie sich selbst an die propagierten Regeln? Ist also beispielsweise ein Angebot klar formuliert? Ist die Website responsive? Ist die Gestaltung ansprechend?

Am Ende ist das Bauchggefühl entscheidend.

Wenn nach all diesen Kriterien am Ende der Auswahl 2-3 mögliche Werbeagenturen stehen dann ist es nicht die schlechteste Idee sich auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen, denn neben den fachlichen, regionalen und preislichen Kriterien muss auch die Chemie zwischen Auftraggeber und Agentur stimmen, damit am Ende ein gutes Ergebnis steht.