Internat Schloss Bieberstein bereitet Schüler auf digitales Nomadentum vor

Die Führungskräfte von Morgen stehen vor völlig neuen Herausforderungen. Völlig neu zumindest für unser Schulsystem und die bestehenden Lehrpläne und -inhalte. Bereits Heute ist ortsunabhängiges Arbeiten, Reisebereitschaft und damit auch die notwendige Erfahrung im Umgang mit fremden Kulturen ein nicht nur gern gesehenes sondern oft schon verpflichtendes Merkmal der gewünschten Bewerber. Doch was tut unser Bildungssystem um eben diese Anforderungen den künftigen Arbeitskräften zu vermitteln? Richtig, leider viel zu wenig bis gar nichts.

Natürlich besteht die Möglichkeit selbst organisiert ein Austauschschuljahr oder ein Auslandssemester zu besuchen. Allerdings muss man neben den Kosten auch einen hohen Aufwand zur Organisation tragen. Das, gepaart mit diversen Hororgeschichten von Aupairs bzw Schülern/Studenten im Ausland allgemein schreckt dann eben doch zahlreiche Eltern und Jugendliche ab, der Schritt ins Ausland wird also über den Jahresurlaub geregelt. Dass die Erfahrungen in einem All-in Club am Strand wenig mit dem eigentlichen Land und dessen Kultur zu tun hat ist schwer zu bestreiten.

Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Digitalisierung. Wenn eine Schule einen Online-Ausfallplan hat ist das mancherorts bereits eine Sensation. Dass so viele Stunden ausfallen, dass es dafür einen eigenen Plan benötigt – eigentlich unfassbar für ein reiches Land, oder? Aber auch der tatsächlich stattfindende Unterricht hat relativ wenig mit digitaler Arbeit zu tun, Schülern wird nicht vermittelt wie man gemeinsam in digitale Projekten arbeiten kann. Sie lernen auch nicht welche Herausforderungen ortsunabhängiges Arbeiten mit sich bringt, von der gemeinsamen Zeitzone bis zu Datenschutznotwendigkeiten – das ist für die meisten Schüler Deutschlands leider eine große Unbekannte im Schulunterricht.

Das hat natürlich Budgetgründe, Geld ist in unserem Bildungssystem leider akute Mangelware. Aber es hat sehr wahrscheinlich auch Altersgründe. In 6 Bundesländern sind über die Hälfte der Lehrer 50 oder älter, in keinem Bundesland außer Hamburg (38,4%) ist der Anteil niedriger als 42%. Wenn die Rente bereits in greifbarer Nähe ist werden Menschen natürlich auch träger im Hinblick auf Fortbildungen und der Bereitschaft etwas Neues zu probieren. Und auch die Schulträger investieren ungern hohe Fortbilungskosten in Angestellte, die in wenigen Jahren aus Altersgründen ausscheiden. Es ist also eine äußerst verzwickte Situation.

Es geht auch besser

Wenn Geld eine weniger entscheidende Rolle spielt lässt sich dieses Problem offensichtlich lösen. So zeigt die Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein in Hessen, dass Auslandserfahrungen und Digitale Themen sehr wohl mit dem Schulalltag vereinbar sind. Natürlich, das Privatinternat ist im Gegensatz zu einer öffentlichen Schule kostenpflichtig und verfügt dementsprechend über andere Möglichkeiten. Doch die Innovation, den Schulalltag an die Bedürfnisse unserer Zeit anzupassen muss trotzdem auf den Weg gebracht werden. Geld hin oder her – ohne die passende Vision nützen auch größere finanzielle Mittel nichts.

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Hermann-Lietz-Schule Schloss Bieberstein in Hessen

Die Schüler von Schloss Bieberstein haben auf ihrem Weg zum Abitur die Möglichkeit die Einführungsphase in die Oberstufe (also die 10. oder 11. Klasse, je nachdem ob die Schüler aus dem G8 oder G9 Zweig kommen) teilweise im Ausland zu verbringen. In verschiedenen sozialen Projekten lernen sie dabei die Menschen samt deren Nöte und Träume in Nepal und Südafrika kennen. Die Schüler helfen beispielsweise beim Häuserbau in Nepal, lernen also auch noch wie man mit relativ einfachen Mitteln eine Behausung baut. Da der Lehrplan in der E-Phase eng gesteckt ist müssen die Schüler neben ihren Projekten auch zur Schule gehen. Mittels Videokonferrenzen und E-Learning wird der Unterrichtsstoff also auch in Nepal und Südafrika vermittelbar, wenn gleich die Herausforderungen hier ganz andere als in der heimischen Schule sind. In Deutschland muss man sich keine Gedanken über Strom und Internet machen, in Nepal schon. Auch die Zeitverschiebung ist ein nicht unerhebliches Problem dabei, genauso wie die sichere Datenübermittlung bei Leistungsfeststellungen.

Aber an all diesen Herausforderungen wachsen die Schüler. Sie erlernen Problemlösekompetenzen an Orten, die wirkliche Probleme bereithalten. Sie erleben aber auch, welche unglaublichen Vorteile die Vernetzung mit sich bringt und wie sie das gewinnbringend einsetzen können. Denn anders als bei einem klassischen Auslandsjahr verlieren die Schüler im Internat Bieberstein keine Zeit auf dem Weg zum Abitur.

Nun frage ich mich tatsächlich, warum es ein privates Internat schafft mit moderner digitaler Technik und einem innovativem Konzept eine solch spannende Erfahrung zu bieten, aber unsere öffentlichen Schulen oftmals nichteinmal vernünftige Computertechnik vorhalten können. Es wird an vielen Schulen noch genauso unterrichtet wie zu meiner Schulzeit, die nun fast 20 Jahre her ist. Der Wandel der Gesellschaft, die völlig veränderten Anforderungen des Arbeitsmarkts und die zukünftigen, bereits Heute absehbaren Anforderungen werden hier zum Großteil völlig außen vor gelassen.