Baden-Württemberg engagiert die Sonne als Testimonial

Tourismusmarketing in Deutschland ist nicht leicht, außer man ist für Nord- & Ostsee oder eine der Metropolen wie Berlin, Hamburg, München usw verantwortlich. Wobei die es auch nicht so leicht haben, aber zumindest sind deren Merkmale recht klar zu definieren. Hat man die Verantwortung für ein ganzes Bundesland, wie zum Beispiel Baden-Württemberg oder auch mein geliebtes Thüringen stellt sich das schon deutlich komplexer dar. Ungefähr 123.718 Menschen sind dann nämlich sowohl total wichtig als auch kompetent und wollen „ihre“ Idee, die meist aus wirtschaftlichen Hintergründen genährt ist, als Headliner der Kampagne sehen. Also wofür steht ein ganzes Bundesland? So vollumfänglich, ohne einzelne Destinationen außen vor zu lassen, aber gleichzeitig so konkret, dass man nicht Gefahr läuft mit anderen Regionen verwechselt zu werden. Von der Marke, die keinesfalls verwässert werden darf, will ich da gar nicht erst anfangen 😉

Vor einem solchen Problem standen die Mädels und Jungs von RMG Connect, nachdem sie den Etat der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg gewonnen hatten. Und die Lösung ist einerseits einfach und genial, birgt aus meiner Sicht aber auch ein ordentliches Flop-Potenzial. Baden-Württemberg hat ab sofort nämlich die Sonne als Testimonial engagiert, weil das Wetter dort immer so gut ist. Und das ist kein Scherz:

RMG TMBW Anzeige Weinberg Baden Württemberg engagiert die Sonne als Testimonial

Die Idee finde ich so toll, weil man unter der Sonne natürlich alles, aber wirklich auch absolut alles, was ein Bundesland hat präsentieren kann. Schließlich thront die Sonne unentwegt über der Erde. Aus menschlicher Perspektive zumindest. Auch die Gestaltung mit dem gelben Halbkreis in der Ecke lässt viel Spielraum für alle möglichen Motive.

Andererseits begibt man sich eben auch in eine gewisse Wetterabhängigkeit, sobald wir einen verregneten Sommer haben fliegen den Mitarbeitern in den Touristinformationen in BW die Flyer und Broschüren um die Ohren. Ebenfalls fraglich bleibt, ob man Baden-Württemberg in den nächsten Jahren als Land der Sonne etablieren kann. Aber hey, Ideen zerreden ist immer einfach – lassen wir uns überraschen wo die Kampagne noch hinführt. Und ich drücke die Daumen, dass im Süden die Sonne scheint.

Hotel.de nutzt Lokalpatriotismus zur Reichweitesteigerung

Wir Deutschen haben oft ein Problem damit uns selbst als Patrioten zu bezeichnen. Zu schnell gerät man in der Öffentlichkeit damit in eine rechte Ecke, ein deutsches Problem eben. Trotzdem sind die meisten von uns mit ihrer Heimat verbunden, das wird spätestens dann sichtbar, wenn andere Menschen sich abfällig darüber äußern. Und diese Heimatverbundenheit, oder auch Lokalpatriotismus genannt, macht sich Hotel.de gerade zu Nutze.

HOTEL DE sucht Deutschlands Genussregion 2015

Mit den „Citymoments“ stellt Hotel De einen mehr oder weniger umfangreichen Guide für viele beliebte Städte auf der Website zur Verfügung. Mit dieser Menge an Inhalten wird vermutlich eine große Menge Longtailtraffic gewonnen. Und damit das so bleibt bzw noch besser wird braucht es Backlinks, Besucher, Interaktion und Reichweite in sozialen Netzwerken. Mit der Abstimmung zu Deutschlands beliebtester Genussregion schafft man einen einfachen Anreiz auf den Wettbewerb hinzuweisen, schließlich hat jeder Teilnehmer ein Interesse daran, dass seine Region am Ende auch gewinnt. Und das hat man dort gut gemacht, schon beim Besuch der Aktionsseite wird dem Nutzer klar gemacht, dass noch bis zum 5.8.2015 abgestimmt werden kann, als Verdeutlichung wie lange also noch Zeit bleibt läuft direkt darunter gleich ein Countdown. Bereits über dem eigentlichen Inhalt wird der Nutzer das erste Mal zum teilen der Seite aufgefordert.

city moments hotelde abstimmen Hotel.de nutzt Lokalpatriotismus zur Reichweitesteigerung
Screenshot: http://www.hotel.de/citymoments/genussregion-2015/

Darunter geht es dann zur Abstimmung. Die bisher abgegebenen Stimmen stehen natürlich als Zusatzmotivation unter jeder Region. Hat man sich dann für eine Region entschieden und den Spamschutz überstanden geht es weiter zum fröhlichen Teilen und natürlich zur Teilnahme am Gewinnspiel.

Ich persönlich hätte hier für jede Region eine Teilenfunktionalität eingebaut. Hier teilt man immer die gesamte Seite, was ohne Frage Vorteile hat, verringert damit aber die Identifikation mit der persönlichen Auswahl des Nutzers.

Die Abschlussseite ist wirklich gut gemacht. Zunächst wird sich artig für das Voting bedankt, dann der Gewinn in Aussicht gestellt. Dafür gilt es nur noch 2 kleine Aufgaben zu erfüllen: Schritt 1 – Teilen und Weitersagen, schließlich wollen auch alle deine Freunde abstimmen und gewinnen. Schritt 2: E-Mailadresse eintragen, damit man im Gewinnfall auch benachrichtigt werden kann (und natürlich nie, nie, niemals Werbung erhält). Wer also auf der ersten Seite noch widerstehen konnte, wird hier mit dem zusätzlichen Ausblick auf einen Gewinn ganz gewiss abgeholt.

city moments hotelde Hotel.de nutzt Lokalpatriotismus zur Reichweitesteigerung
Screenshot: http://www.hotel.de/citymoments/danke-fuer-ihre-stimme-genussregionen/

Das Beste zum Schluss

Mit all den Shares, Engagement und dem einen oder anderen Link ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Am Ende wird es eine Gewinnerregion geben, Platz 2 & 3 dürften ebenso interessant sein. Denn die Pressemeldung über den Ausgang des Wettbewerbs wird man ganz besonders stark in den betreffenden Regionen streuen und dort erneut Aufmerksamkeit und Backlinks von öffentlichen Websites, Nachrichtenseiten und dem einen oder anderen Blogger bekommen. Und das alles für einen Delikatessenkorb. Gelungene Aktion, das möchte ich schon vorab sagen.

Unbeachtet (eigentlich zu Unrecht) sind bisher auch die Besucher geblieben. Wenn hier schon so tolle Genussregionen vorgestellt werden liegt es schließlich nahe hier auch gleich ein Hotel zu buchen, oder?

Fazit

Wettbewerbe funktionieren seit jeher. Nachdem die meisten Blogger aber die klassischen Linkbait-Aktionen durchschaut haben und Google solche Links auch immer kritischer betrachtet, ist etwas mehr Kreativität gefragt. Und vor allem auch eine ordentliche Umsetzung. Im vorliegenden Beispiel wird der Wettbewerb und dessen Ergebnis ganz wunderbar ausgenutzt um mit vergleichsweise kleinen Aufwand ein sehr ordentliches Ergebnis zu erzielen. Das funktioniert aber auch nur dann, wenn schon eine kritische Nutzermasse vorhanden ist. Ansonsten geht ein solcher Wettbewerb einfach unter.

InterContinental erkennt Erlebnispotenzial #InterContinentalSecrets

InterContinental Red Doors 1024x682 InterContinental erkennt Erlebnispotenzial #InterContinentalSecrets

Schon während meiner Ausbildung wurde mir immer wieder eingebläut dass Kunden keine Produkte sondern Lösungen kaufen wollen. Was zunächst als dämlicher Marketingsprech daherkommt hat am Ende aber eben auch viel Wahrheit in sich. Das gilt natürlich auch für die gesamte Reisebranche: ich fliege nicht, weil ich gern in einem engen Raum mit hunderten fremden Menschen und nur bedingt guter Lebensmittelversorgung sitze. Ich schlafe nicht gern in einem 5* Hotel weil ich gern für ein Bett, das schon hunderte andere Menschen benutzten viel Geld zahle. Und so zieht es sich durch alle Bereiche, ich nehme eine Leistung in Anspruch weil ich sie benötige und/oder mir einen gewissen Vorteil davon erhoffe. In den seltensten Fällen tue ich das der Leistung selbst wegen. Die InterContinental Gruppe hat das nun auch erkannt und fährt eine Kampagne mit echtem Mehrwert für die Hotelgäste. Mit InterContinental Secrets bieten die Hotels ihren Gästen in Kooperation mit allerlei lokalen Partnern eine vielzahl von Erlebnissen, wie man sie eben nur von Insidern bekommt.

Das ist eine tolle Sache, wer schon einmal Stadtführungen der besonderen Art von echten Locals bekommen hat weiß das zu schätzen. Fernab von den Touristenmeilen verbergen sich oft wahre Schätze aus Kunst, Kultur, Gastronomie oder Architektur. Für die Frauen gibt es auch Shoppingtipps, was letztlich die Geldbörse sogar schont. In einem Reiseführer lernt man eine Stadt leider nicht kennen, sondern nur das, was der Reiseführer zu vermarkten wünscht. Selten deckt sich das mit den wirklich guten Sachen, oft wird dort nur das Standardprogramm abgefrühstückt. Das mag zwar in Großstädten für ein Wochenendprogramm völlig ausreichen, wer sich aber nur auf den Touri-Pfaden bewegt verpasst in der Regel sehr, sehr viel.

Aber auch für Geschäftsreisende ist das eine interessante Geschichte. Manchmal ist man in einer fremden Stadt und hat eher unerwartet einen Slot von 2-3 Stunden frei. Kann ich nun auf einen Service im Hotel zurückgreifen, der mir ein paar tolle Ecken in der Stadt zeigt ist das ein toller Mehrwert.

Zu der Kampagne gibt es auch ein Video, spricht mich persönlich jetzt nicht sonderlich an, aber ich kann verstehen dass der Spagat zwischen dem klassichen Hotelklientel und dieser komischen Internetgeneration nicht so einfach ist. Hätte man aber trotzdem interessanter machen können. Schaut es euch aber gern selbst an:

Weitere Infos gibt es auf der Kampagnenwebsite: Klick Klick

Früher ist alles besser – business by easy jet

easy jet pünktlich Früher ist alles besser   business by easy jet

Als Thüringer fliegt man geschäftlich relativ selten, zumindest wenn sich das eigene Geschäft auf das Gebiet der Bundesrepublik beschränkt. Ehe ich an einem Flughafen bin der mich bezahlbar an das gewünschte Ziel bringt, habe ich das Ziel auch mit dem Auto oder der Bahn erreicht (zumindest dann, wenn ich die Flugzeit hinzurechne). Trotzdem fliege ich gern, wenn auch viel zu selten. Und eines ist dabei für mich besonders wichtig: Pünktlichkeit. Gerade wenn man geschäftlich unterwegs ist ergeben sich bei einer Verspätung oft ganze Ketten an Problemen und Verzögerungen (zum Beispiel wenn man von Leipzig über München nach Paris will, der Flug nach München Verspätung hat, man dann über Frankfurt umgeleitet wird, 3 Stunden später als geplant in Paris landet und dann noch den Berufsverkehr mitnimmt). Neben dem Preis und einem gewissen Komfort ist also die Pünktlichkeit für mich persönlich ein ganz wichtiges Kriterium.

Und offenbar hat auch easy jet das als wichtiges Kriterium für Geschäftsreisende erkannt und richtet dabei ein ganze Kampagne darauf aus, ganz klar mit dem Ziel noch mehr Geschäftsreisende als Kunden zu gewinnen. Neben entsprechenden Werbemotiven spielt der „White Rabbit“ aus Alice im Wunderland eine für ihn ungewohnte Rolle im Werbespot: er, der immer der Zeit nach läuft, bewegt sich völlig entspannt und damit konträr zu all den gehetzten Geschäftsreisenden am Flughafen. Natürlich weil er weiß, dass er bei easy jet seinen Sitzplatz hat und pünktlich ankommt.

Ich musste tatsächlich Google bemühen, da mir der weiße Hase aus Alice im Wunderland zunächst nicht viel sagte. Mein Sohn kommt erst noch in das Alter für solche Filme und bei mir ist es dann doch ein paar Jahre zu viel her 😀

Ich bin bisher erst einmal mit easy jet geflogen und war, dem Preis entsprechend, zufrieden. Da man jetzt den Faktor Zeit als besondere Anforderung bei Geschäftsreisen in den Mittelpunkt stellt würde ich sicherlich auch wieder mit easy jet fliegen – vielleicht denkt man dort ja mal über ein oder zwei Verbindungen ab Erfurt nach 😉

ViennaFunFacts – Tourismus im Social Web

viennafunfacts

In Wien macht man derzeit vor, wie es gelingen kann Interesse an der Destination mit user generated content auf spielerische Art und Weise (neudeutsch gamification) zusammenbringen kann:

Unter dem Hashtag  #ViennaFunFacts können Wieninteressierte noch bis zum 31.8.2014 Beiträge auf allen denkbaren Social Media Plattformen einreichen, um eine Reise nach Wien zu gewinnen. Die Beiträge müssen dabei einen Fakt über Wien enthalten – User können dann auf der Sammelplattform abstimmen ob diese wahr oder falsch sind.

Ich finde das einen lustigen Ansatz und bin auch ziemlich enttäuscht dass die Beteiligung bisher (aus meiner Sicht) eher mau ist.

Wer also Lust auf Wien hat oder einfach gern lustige Lügengeschichten erfindet, hier entlang bitte: funfacts.vienna.info

Westjet Weihnachtsüberraschung

westjet weihnachtsueberraschung Westjet Weihnachtsüberraschung

Weihnachten ist Geschenkezeit, mich persönlich stresst das zwischem dem 20. und 24. Dezember jedes Jahr, aber die Freude der Beschenkten macht das wieder gut. Das Beste an einem Geschenk ist, zumindest für mich, die Überraschung. Wenn du gar nicht damit gerechnet hast und plötzlich etwas geschenkt bekommst ist das Geschenk selbst eigentlich nebensächlich. Westjet, die ich bisher ehrlich gesagt nicht kannte, hat jetzt genau dieses Gefühl bei einigen Passagieren hervorgerufen. Vor dem Abflug wurden die Fluggäste gefragt was sie sich denn so zu Weihnachten wünschten und während des Flugs wurden eben jene Sachen am Zielflughafen angeliefert, verpackt und aufs Gepäckband gelegt.

Gelungene Überraschung. Und wenn man bedenkt wie das Video derzeit durchs Web geht auch gelungenes Marketing, nicht wenige Menschen werden sich jetzt wünschen auch mit Westjet anstatt einem Konkurrenten geflogen zu sein. Und die betreffenden Passagiere verbinden auf Jahre ein tolles Weihnachtserlebnis mit Westjet.

Danke an Sven.